Der Präsidentenwagen

Adler 18/35 PS Baujahr 1906

Hubraum 4680 ccm

4 Zylinder

Fahrgestellnummer 2058

Aufbau Stemmler, Neuss

Wechselkarosserie
(Limousine oder Doppel Phaeton)


Das Vermächtnis des SB Schoof

Oder: Wie ein Club zu seinem eigenen Wagen kommt und sein Lebenslauf im Club.

SB Dipl.-Ing. Hanns-Georg Schoof, geboren 1910, war Geschäfts- führender Gesellschafter der Glyco-Metall-Werke Daelen & Loos GmbH in Wiesbaden-Schierstein. Automobilisten ist der Name Glyco in Bezug auf Lagerschalen ein Begriff.

Schon Anfang der 50 er Jahre formte er den ASC zu dem Club, wie wir ihn heute kennen. Dabei legte er sehr viel Wert auf den Erhalt und die bestimmungsgemäße Nutzung des Automobilhistorischen Kulturgutes. Diese Idee brachte SB Schoof aus England mit, wo der Veteran-Car-Sport schon seit 1930 ausgeübt wird. Von 1950 bis 1955 war Schoof Präsident der Landesgruppe Hessen und von 1955 bis zu seinem Tode 1960 Präsident des Gesamtclubs.

Unterwegs mit Schnauferlbrüdern in den 1950er Jahren.

Er gründete mit seinen ausländischen Kollegen der Veteran-Car-Clubs, (so nannte man damals die Oldtimerclubs) aus England, Schweden, Belgien, Holland, Schweiz und Norwegen am 24.10.1959 die „International Federation of Veteran Car Clubs“. Diese Gemeinschaft gilt als Vorläufer der 1965 gegründeten FIVA, deren Gründungsmitglied der ASC ist. Zu deren ersten Präsidenten wurde SB Schoof gewählt, der dieses Amt bis zu seinem Tode ausübte.

Im Laufe der Zeit brachte SB Schoof eine beachtliche Sammlung von Veteranenfahrzeugen zusammen. Unter anderen Fahrzeugen sei ein Benz 1900 und 2 Adler von 1909 und 1911 genannt. Man beachte bitte, der richtige Altautomobilist hatte ein richtiges Veteranenfahrzeug ohne elektrischen Anlasser vorzuweisen. Herrenfahrer, deren Wagen über einen Anlasser verfügten, wurden milde belächelt.

Durch die Vielzahl seiner Wagen ermöglichte es SB Schoof einigen Jung-SB seine Wagen auf inter- nationalen Veranstaltungen zu bewegen. So kam es vor, dass SB Schoof mit bis zu 5 Fahrzeugen an den Veteran-Car-Rallyes teilnahm.

1956 fand die erste Deutsche Veteran-Car-Rallye (so nannte man früher die heutigen Oldtimer-Rallyes) anlässlich der Eröffnung des Deutschen Zweiradmuseums in Neckarsulm statt. Ab 1962 hieß die Veteran-Car-Rallye nun „Inter. Deutsche Schnauferl-Rallye“.

Der „Spiegel“ Nr. 37 von 1960 vermeldet folgendes:

„Hanns-Georg Schoof, Diplom-Ingenieur und Industrie-Millionär aus Wiesbaden, Präsident des Schnauferl-Klubs und ehemaliger Wiesbadener Karnevalsprinz, er- schoss sich, 50 Jahre alt, in seinem Wochenendhaus im Taunus, nach dem er am Bildschirm den Hans-Albers-Film „Wasser für Manitoga“ gesehen hatte.“

Gebaut wurde der ADLER 18/35 vermutlich im Jahr 1906 von den ADLERWERKEN  vorm. Heinrich Kleyer AG in Frankfurt am Main. Es handelt sich hierbei um einen Wagen mit einer Wechselkarosserie der Firma H. Stemmler in Neuss. Die sogenannte Winterkarosserie ist ein geschlossener Limousinenaufbau mit 6 Sitzplätzen, davon 2 Notsitzen. Für die Sommermonate verfügt der Wagen über ein Sommerkarosserie in Form eines Doppel-Phaetons. Der Karosseriewechsel lässt sich relativ einfach bewerkstelligen, da alle zur Bedienung des Wagens notwendigen Bedienelemente am Wagen ver- bleiben. Über die weitere frühe Historie ist weiter nichts bekannt, bis auf eine unbestätigte Aussage, dass der Wagen in den deutschen Kolonial- gebieten Afrikas unterwegs gewesen sein soll.

Soweit es sich aus dem „Schnauferl“ recherchieren ließ, nahm SB Schoof bzw. die jeweils bestimmten Schnauferlbrüder an verschiedenen nationalen und internationalen Veranstaltungen teil. Die nam- hafteste war die III. Internationale Veteran-Car-Rallye zur Welt- ausstellung in Brüssel 1958, bei der 12 Teams aus Deutschland dabei waren. Auch hier fuhr man selbstverständlich „auf eigener Achse“.

 Nach dem Tode von SB Schoof wurde SB Rudolf Mosting 1961 als Gesamtpräsident gewählt. Der ADLER blieb also in Hessen. Gefahren wurde der ADLER zu verschiedenen Anlässen von SB Komischke, so unter anderen 1960 Schaerbeck (Belgien), 1961 Travemünde und 1962 Bad Kissingen, alles auf eigener Achse.

Der Unterhalt des Präsidenten- wagens oblag den jeweiligen Fahrern, später der Landesgruppe des Präsidenten. So fand der Wagen im Herbst 1962 seine Heimstatt bei SB R. Schramm sen. Am Wagen schraubten die Schnauferlbrüder Komischke und H-J Schramm. So musste beispielsweise ein Lageschaden kuriert werden, der auf der Rückreise von der Schnauferlrallye Travemünde 1961 auftrat. Unterstützt wurden diese SB von Herrn Liebold, aus dem Hause Glyco, der die Wagen unter SB Schoof restauriert und gepflegt hatte.

1962 ermöglichte der damals als Deutschlands ältester Porschefahrer bekannte Präsident des Frankfurter Automobilclubs FAC, SB Fritz Koch, einen neuen Anstrich des Wagens in seinen Werkstätten.

1964 hat SB Hepp mit dem ADLER an einer Spendensammlung zugunsten des Wiederaufbaus der Alten Oper in Frankfurt teilgenommen.

Im Jahre 1967 wurde SB Paul-Heinz Röhll zum Präsidenten gewählt. Der ADLER wurde nochmals in Bad Homburg anlässlich der Schnauferl- Rallye 1969 ausgestellt und trat danach seine Reise nach Berlin an, wo er in den 70er Jahren eine Statistenrolle in dem Film „ Ein Mann will nach Oben“ spielte.

Nach dem Tod von Präsident SB P.H. Röhll wurde 1980 SB Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg zum Präsidenten ernannt und auch 1981 gewählt. Der ADLER wurde nun nebst seiner Sommerkarosse im Deutschen Automobilmuseum Schloss Langenburg ausgestellt.

1994 übernahm SB Berthold Rückwarth das Amt des Präsidenten und beließ den ADLER in Schloss Langenburg.

Als 1999 SB Dieter Herrmann zum Präsidenten gewählt wurde, kam der ADLER auf Wunsch des SB Fürst  Hohenlohe-Langenburg wieder zum Präsidialsitz. SB Dieter Herrmann lagerte den Wagen bei SB Seidel in Ladenburg ein, bis sich 2007 SB Peter-David Göhr des Wagens annahm. Leider verstarb SB Göhr bald darauf und konnte die nun anstehende Instandsetzung des Wagens nicht mehr in Angriff nehmen.

Nach dem Tod von SB Göhr nahm SB Hepp mit Präsident SB Herrmann Kontakt auf, um gemeinsam mit SB R. Schramm jun. über die an- stehende sorgfältige Restaurierung zu beraten.

Auf der MHV 2008 in Rüsselsheim wurde beschlossen, dass die Landesgruppe Hessen (als ehemalige Heimstatt des ADLER) sich des Wagens annehmen solle. Der Wagen wurde zu SB Dieter Dressel in die CENTRAL GARAGE nach Bad Homburg verbracht, wo der ADLER nun wieder fahrbereit gemacht werden soll. Immerhin wurde der Wagen seit Mitte der 70’er Jahre nicht mehr gefahren, nun aber  soll er wieder dem Club als Aushängeschild dienen. Der Wagen soll von nun an  von einem festen Team gewartet werden und dann an den entsprechenden Einsatzort transportiert werden, damit Ihm ein weiteres Wanderschicksal erspart bleibt. Der ASC Gesamtclub beteiligt sich an diesem Vorhaben finanziell. Unterstützt wird SB Dressel von den Schnauferlbrüdern  SB Richard Graf, SB Thomas Rousselet, SB Siegfried Otto Hepp, SB Robert Schramm aus der Landesgruppe Hessen, die tatkräftig an dem Wagen und deren Einzelteilen Hand anlegen.

Folgende Firmen und Personen haben dankenswerter Weise die Restaurierung unterstützt:

Central Garage:
Unterstellmöglichkeit und Werkstattnutzung

Dieter Dressel:
Instandsetzung, Karosse und Interieur

Koller+Schwemmer:
Fahrzeugelektrik

Autoglas Groß Gerau:
Verglasung

Medidenta Schramm:
Bremsen, Kupplung, Beschlag und Elektroteile


Quelle Bilder: Andreas Beyer, Central Garage
Text: SB R. Schramm

In der Ausgabe 4/2017 der Oldtimer Markt erschien ein Artikel über den ADLER 18/35 Präsidentenwagen von unserem Schnauferlbruder und Autor Gregor Schulz.

Artikel Oldtimer Markt 4/2017 als PDF

Aktuelle Bilder des ADLER 18/35

TV-Tipp "Kaisersturz"

"Kaisersturz" ist ein Doku-Drama über den Zusammenbruch der Monarchie im Herbst 1918 und den Beginn der Republik in Deutschland. Im Film wird Kaiser Wilhelm II.,

gespielt von dem Schauspieler Sylverster Groth, im Adler 18/35 aus dem Besitz des Allg. Schnauferl-Club e.V. (ASC) gefahren. Der Wagen ist in vielen Szenen über den gesamten Film im wieder zu sehen. Wer Interesse hat, der Film ist noch bis zum 30.10.2023 in der ZDF Mediathek zu sehen.

Geschenk-Tipp zu Weihnachten

Die Firma autocult aus Mannheim hat den

Adler 18/35 nun als Modell im Maßstab 1:43 im Programm. Das detailgetreue Modell verfügt über beide Karosserien und das Transportgestell. Selbst das Wappen des ASC auf den hinteren Türen ist vorhanden und die Karosserien können selbstverständlich ge- wechselt werden.

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