Deutschlands ältester reiner Oldtimer-Club

Deutschlands ältester reiner Oldtimer-Club

Man schrieb das Jahr 14 nach "Erfindung" des Automobils. Die Entwicklung desselben hatte geradezu stürmische Formen angenommen, man bewegte sich schon einigermaßen sicher und zuverlässig und seit sechs Jahren rannte man bereits mit den "voitures sans chevals" (Erstes Automobilrennen der Geschichte: Paris – Rouen 1894). Väterchen Staat machte sich bereits Gedanken, wie man die Automobilisten abkassieren kann, was am 19. Mai 1906 Tatsache wurde. Es war also höchste Zeit den Automobilismus organisatorisch in den Griff zu bekommen. Die Clubs schossen wie Pilze aus dem Boden, die ersten Automobilausstellungen wurden durchgeführt. Einer dieser Salons war die Allgemeine Fahrzeugausstellung zu Nürnberg vom 1. bis 30. Juni 1900, also vor genau 120 Jahren. Ausgerichtet wurde sie vom "Fränkischen Automobil-Club" unter Leitung von Gottfried Barth. 98 Aussteller waren versammelt und, man höre und staune, ein besonderer Anziehungspunkt war die historische Abteilung mit dem Daimlermotorniederrad von 1885, dem ersten Daimler-Horizontalmotor aus demselben Jahr, dem ersten Daimlermotorboot von 1886 und dem ersten Motorzweirad von Hildebrand & Wolfmüller. Vielleicht war diese historische Abteilung mit ein Anlass zur Gründung des Allgemeinen Schnauferl-Clubs kurz vor der Ausstellung, genauer gesagt am 25. Mai im Hotel Victoria. Interessanterweise vereinigte man sich zunächst im Zeichen des Spargels – ist ja auch was feines – und so dürfte das "S" im Originallogo des ASC, "Spargel" bedeutet haben. Dieses eigentlich völlig inoffizielle Treffen einiger Gaumenfreunde legte zumindest den Grundstein für die Idee. Konkreter wurde man am 18. Juni am selben Ort. Aber spätestens nach der sehr erfolgreichen Ausstellung besann man sich auf das eigentliche Aufgabengebiet, das Automobil. Aber noch bis 1901 blieb der aufrecht stehende Spargel Symbol des ASC, auch wenn er gelegentlich Anlass zu Missverständnissen gab. Dann wurde es durch einen stilisierten Einzylinder- de Dion Motor ersetzt, das "S" hieß nunmehr "Schnauferl", ein Ausdruck, der aus München stammte.



Erster Präsident des ASC wurde Gustav Braunbeck, später Generaldirektor der Vereinigten Verlagsanstalten Gustav Braunbeck & Gutenberg - Druckerei Akt.-Ges., Berlin W. 35. Da Gustav Braunbeck aus dem Verlagswesen kam und selbst Verleger wurde, war es kein Wunder, dass sein um ein Jahr jüngerer Bruder Richard Braunbeck der Branche treu blieb und Journalist wurde. Er lebte in München, war Redakteur einer Reihe von Fachblättern und dazu gehörte auch “Das Schnauferl”, eine Gründung seines Bruders, dessen Schriftleitung er von 1901 bis 1908 versah. Diese Zeitschrift ist noch heute das offizielle Organ des Allgemeiner Schnauferl Club.



Der ASC hatte einen Großteil der Gründerväter des Automobils als Mitglieder aufzuweisen: Gottlieb Daimler, Adam Opel, August Horch, Ettore Bugatti, Wilhelm Maybach, Carl F.W. Borgward und Ferdinand Porsche. Carl Benz, der „Erfinder“ des Automobils, schätzte den ASC ungemein und wurde zum 25. Jubiläum des Clubs, also 1925, zum „Ehrenschnauferlbruder“ ernannt. 



Gegenwärtig hat der Club über 1600 Mitglieder, wobei nach den bereits genannten Pionieren des Autobaues auch eine Reihe Persönlichkeiten gehören, die durch einen kräftigen Bleifuß zu Erfolg und Ansehen kamen: Hans Herrmann, Sepp Greger, Eberhard Mahle, Paul Ernst Strähle, Jochen Mass (zufällig die Mitglieds-Nummer 1400) um nur einige aktuelle zu nennen, früher waren das Hans Stuck, Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch, Rennleiter Alfred Neubauer und andere Legenden. Man muss allerdings nicht Rennfahrer oder wohlhabend sein und einen Rolls Royce besitzen, um Mitglied beim ASC zu werden. Es genügt eine Isetta oder auch nur die Liebe zum mobilen Kulturgut – auch ohne Auto, wie eine ganze Reihe von „Schnauferlbrüdern“ und „Schnauferldamen“, wie wir uns gegenseitig nennen. Denn neben Veranstaltungen mit Automobil-Veteranen, aber auch sog. Youngtimern, ist der gesellschaftliche und freundschaftliche Umgang mit Gleichgesinnten wichtiges Anliegen aller Clubmitglieder. 



Der ASC-D unterteilt sich heute in 16 Landesgruppen, die eine gewisse Selbstständigkeit aufweisen. So organisieren sie eigene Clubabende, mit Vorträgen, Besuch von Museen aller Art, oder schlicht nur sog. „Benzingesprächen“ und natürlich Ausfahrten verschiedener Länge. Im Prinzip verfügt jedes ASC-Mitglied über ein oder sogar mehrere Fahrzeuge. Teilweise sind richtige Sammler mit einem großen Wagenbestand dabei. Einige Landesgruppen verfügen über clubeigene Modelle, die jedoch – je nach Alter – nur Mitgliedern anvertraut werden, die wirklich damit umgehen können. Die Benz Victoria aus dem Jahr 1898 bedarf natürlich einer besonderen Pflege und Behandlung. Sie gehört der Landesgruppe Tradition, das ist die älteste Landesgruppe unseres Vereins. Zudem sind die Landesgruppen reihum für die Durchführung der „Internationalen deutschen Schnauferl-Rallye“ zuständig. Im Jahr 2016 übrigens die Landesgruppe Württemberg-Hohenzollern. Die Schnauferlrallye ist eine sog. FIVA A-Rallye, das bedeutet die höchste Wertigkeit innerhalb des Weltverbandes FIVA (Féderation Internationale des Véhicules Anciens).  Der ASC-D ist übrigens Gründungsmitglied der FIVA.



Im Gegensatz zur FIA mit Sitz in Paris, die für das gesamte Automobilwesen zuständig ist, also auch für den Automobilsport, konzentriert man sich bei der FIVA in erster Linie auf das rollende Kulturgut. Also für möglichst authentische Automobilveteranen. Dabei geht es bei den FIVA-Veranstaltungen ganz selten um Geschwindigkeit, sondern eher um Gleichmäßigkeit und auch Geschicklichkeit, also auch um das Beherrschen des eigenen Fahrzeuges. Diese Veranstaltungen werden in verschiedene Größen und Wertigkeiten beurteilt und bekommen den Status einer A- oder B-Rallye. Dabei müssen gewisse FIVA-Kriterien eingehalten werden. Die einzelnen Klassen werden unterteilt in: A (Ancestor) = bis Baujahr 1904, B (Vetertan) = bis Baujahr 1918, C (Vintage) = bis Baujahr 1930, D (Post Vintage) = bis Baujahr 1945, E (Post War) = bis Baujahr 1960, F = bis Baujahr 1970, G = ab 1971 (bis Fahrzeugmindestalter 30 Jahre). Auch der Zustand der Fahrzeuge wird genau präzisiert, wobei das Ergebnis einer technischen Untersuchung in einem Wagenpass, der so genannten FIVA-ID Card festgehalten wird. Dabei unterscheidet man in “Standard”, das bedeutet seit dem Bau völlig unverändert, “Umgebaut” während der üblichen Nutzungsdauer, also Veränderungen und Reparaturen, die durch den Gebrauch entstanden sind, “Nachbauten” und Replikas, sowie umgebaut außerhalb der üblichen Nutzungsdauer.

Die „Internationale Deutsche Schnauferl-Rallye“ wurde inzwischen über 60 Mal ausgetragen und ist alljährlich der Höhepunkt der Saison. Dabei können bis zu 150 Automobile und mehr am Start sein, ein recht umfangreicher logistischer Aufwand für die organisierende Landesgruppe. Zumeist wird an zwei bis drei Tagen gefahren, wobei verschiedene Aufgaben bewältigt werden müssen. Damit auch alle Fahrzeug-Altersklassen aktiv werden können, unterteilt man die Tagesetappen in eine längere und kürzere Route. Von den Veteranen bis Baujahr 1918 – liebevoll „Messingklasse“ genannt – wird man kaum mehr als 100 km Tagesleistung verlangen, die neueren müssen schon bis zu 200 km und mehr absolvieren. 

Natürlich muss während der Int. Deutschen Schnauferl-Rallye (oder auch Schnauferl-Fahrt) den Teilnehmern nicht nur Strecken und Prüfungen, sondern auch Geselligkeit, schöne Landschaften und kulturelle Highlights geboten werden. So trifft man sich in ausgewählten Lokalen, besteigt schon mal einen Fluss- oder Hafendampfer, der Höhepunkt ist dann die Gala mit der Siegerehrung. Traditionell in Smoking und Abendkleid, während es bei kleineren Veranstaltungen natürlich entsprechend legerer zugeht.  



Ulf von Malberg